Musica di Giovanni Cavaccio da Bergamo für ein Tasteninstrument, Venedig 1597
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Über Giovanni Cavaccio (1556 - 1626) gibt es sehr unterschiedliche Lebensbeschreibungen, aber es gibt frühe Quellen, die einiges aus seinem Leben belegen. (....)
Dies ist nicht die einzige Schreibweise seines Namens, so findet sich auch Cavaggio, Cavacchio, Caraccio, Caravaccio, Cavatio und Cavatius.
Johann Gottfried Walther (1684 - 1748) schreibt in seinem Buch: Musicalisches Lexicon folgendes über ihn:
Cavvacio (Giov.) von Bergamo gebürtig, hat, als ein Sänger erstlich in Teutschland am Bayerischen Hofe, hernach zu Rom, und Venedig sich aufgehalten; ist hierauf in seiner Geburtsstadt am Dom Capell-Meister (welchem Amte er 23 Jahr rühmlich vorgestanden) so dann an der dasigen Kirche di S. Maria Maggiore, dergleich geworden und an. 1626 den 11ten Augusti, 70 Jahre alt, gestorben. (...)
Die hier vorliegende Ausgabe basiert auf dem Druck von 15971, dort heißt es auf dem Titelblatt:
Musica di Giovanni Cavaccio da Bergamo. / Ove si contengono due fantasie, che dan principio e fine
all' opera, Canzoni alla Francese, Pavana co'l Saltarello, Madrigali, & un Proverbio non so se antico, o moderno.
Musik von Giovanni Cavaccio aus Bergamo. / Darin enthalten sind zwei Fantasien,
die dem Werk Anfang und Ende geben, Canzonen alla Francese, eine Pavane mit Saltarello,
Madrigale und ein Sprichwort, aber ich weiß nicht, ob es alt oder modern ist.
Dies gibt genau den Inhalt wieder: es beginnt und schließt mit einer Fantasie, es gibt 18 Canzonen, eine Pavane mit nachfolgendem Saltarello und eingestreut dazwischen sind vier Madrigale, von denen eines (das mit dem Kuckuck) ein Sprichwort ist, wobei dem Autor nicht bekannt ist, ob es sich um ein altes (überkommenes) oder neues (also erst jetzt gebräuchliches) handelt.
Kontrapunktische Musik wie Ricercare, Canzone und Fuge wurden von Anfang an in Stimmen gedruckt, ohne dass damit gleichzeitig impliziert wurde, es handle sich um Ensemblemusik. Den Spielern, bzw. dem Spieler blieb es überlassen, sich die Werke aus den Stimmen zu intavolieren, das heißt für sein Instrument einzurichten. Nicht wenige Aufnahmeprüfungen für Organisten sahen sogar vor, dass dieser aus einem Chorbuch – in dem die Stimmen nebeneinander geschrieben waren – spielen können musste! Selbst von Johann Sebastian Bach wird diese Fähigkeit noch berichtet.
Interessant in der Besetzungsfrage ist in diesem Zusammenhang ein Stück von Giovanni Maria Trabaci in seinem zweiten Buch (Il secondo Libre de Ricercate etc. 1615), eine Canzona Francesa à 4). Der Autor selbst schreibt, dass dieses Stück bereits in seinem ersten Buch (Ricercate, Canzone etc. 1603) gedruckt wurde, hier aber gut geeignet für ein Concert von Gamben oder Violinen sei. Ähnlich wie die eventuell nachträgliche Notwendigkeit der Intavolierung für ein Tasteninstrument bei Publikationen in Partitur, schien man solche Stücke auch in Stimmen gebracht zu haben, um sie einem Consort von mehreren Instrumenten zugänglich zu machen. Einen identischen Fall finden wir in den RICERCARI | A Quattro Voci | Canzoni, Toccate, | et Versi […] von Giovanni Salvatore, die 1641 in Neapel erschienen sind (dort befinden sich im Canzonenteil gleich mehrere Stücke può sonarsi con il Concerto di Viole) und 1687 in den Capricci | da Sonare | Cembali, et Organi von Gregorio Strozzi die Gagliarda terza, e per concerto de viole. Die Publikation insbesondere von Ricercaren als solche war vorrangig also erst einmal Studienmaterial. Wir wissen sogar, dass derlei Stücke auch auf Solmisationssilben gesungen wurden!
Etliche Organisten des 17. Jahrhunderts, darunter Asciano Mayone und Giovanni Maria Trabaci, waren auch fähige Harfenisten, was wahrscheinlich macht, dass viele dieser Werke auf der Harfe gespielt wurden. Trabaci nennt in seinem zweiten Buch die Harfe ausdrücklich bei einigen Stücken, obgleich er in der Überschrift zu seinen Partite artificiose sopra il Tenor de Zefiro schreibt, dass sie auch auf dem Cembalo gespielt werden können, da il Cimbalo è Signor di tutti l’istromenti del mondo, & in lei si possono sonare ogni cosa con faciltà, das Cembalo also der Herr aller Instrumente (dieser) Welt sei und auf ihm alles mit Leichtigkeit gespielt werden kann.
In dieser Ausgabe für Tasteninstrumente habe ich den Übergang der jeweiligen Stimmen in ein anderes System durch Strichung kenntlich gemacht. Bei den textierten Stücken (Madrigale 6. 10. 14. 19.) habe ich die Texte wegen der besseren Lesbarkeit weggelassen.
Die Stücke in der Stimmenaufteilung und mit textierten Madrigalen isnd unter der eba2173 für vier Viole da gamba erschienen.
Olaf Tetampel, im Sommer 2025
1. La Bertani. (Fantasia)
2. La Nicolina. (Canzona)
3. La Verita. (Canzona)
4. La Lafranchina. (Canzona)
5. La Brigientia. (Canzona)
6 Il Proverbio. (Madrigalo) Dal tempo che canta il Cucco
7. La Solcia. (Canzona)
8. La Foresta. (Canzona)
9. La Fina. (Canzona)
10. Mentre mia stella. (Madrigalo)
11. La Bignani. (Canzona)
12. La Nova. (Canzona)
13. La Morari. (Canzona)
14. Argo son le miserie. (Madrigalo)
15. La Villa chiara. (Canzona)
16. L‘Agosta. (Canzona)
17. La Marina. (Canzona)
18. La Pasti. (Canzona)
19. Ero cosi dicea. (Madrigalo)
20. La Benaglia. (Canzona)
21. La Massaina. (Canzona)
22. La Moiola. (Canzona)
23. L‘Aresia. (Canzona)
24. Pavana. co’l Saltarello
25. Saltarello.
26. La Gastolda. (Fantasia)